[Interview] Tanja Köhler
Liebe Tanja, wie kam dir die Idee zu „Dein Advent“? Gab es einen bestimmten Moment, der dich dazu inspiriert hat?
Es waren die vielen Gespräche mit den begeisterten Leserinnen meiner Rauhnächte-Bücher, die zur Idee angeregt haben. Alle berichteten davon, wie wohltuend sie diese Zeit und meine Impulse empfunden haben und dass sie sich für die Adventszeit auch eine solche Entschleunigung wünschen würden. Gemeinsam mit dem Knesebeck-Verlag haben wir uns dann diesem Wunsch angenommen. Und so entstand „Dein Advent – 24 Glücksmomente nur für dich“.
Was war dir beim Schreiben besonders wichtig – eher die besinnliche Stimmung oder die praktischen Impulse für den Alltag?
Das eine geht nicht ohne das andere. Mit ist es persönlich sehr wichtig, dass beides aufeinandertrifft, weil ich glaube, dass „praktischen Impulse“ dann eher umgesetzt werden, wenn sie auf jemanden treffen, der in einer ganz besonderen Stimmung ist. Eine Stimmung der besinnlichen Nachdenklichkeit über sich und sein Leben…
Wie sah dein Schreibprozess aus? Hast du das Buch in der Adventszeit geschrieben oder über das Jahr hinweg an den Texten gearbeitet?
*lacht* Tatsächlich ging bei mir der Advent bis weit in den Frühling hinein. Mein Schreibzimmer hatte ich deswegen auch lange weihnachtlich dekoriert, weswegen kaum jemand anderes in diesen Raum durfte. Als ich dann den Staffelstab an meine Lektorin weitergeben durfte erzählte mir diese nach dem Lektorat, dass es für sie höchstungewöhnlich gewesen ist, bis weit in den Sommer hinein „Lust auf Lebkuchen und Tannengrün“ zu haben.
Viele deiner Türchen erzählen von Alltagsmomenten – Backen, Spaziergänge, kleine Auszeiten. Sind das auch Dinge, die du selbst regelmäßig machst?
Ich habe einen lieben Gefährten an meiner Seite – mein Labradoodle Luke – mit ihm bin ich täglich zwei- bis dreimal draußen in der Natur und unternehme oftmals weite Streifzüge durch die Wälder und Berge meiner Heimat. Und „ja“, ich nehme mir jeden Tag eine Mini-Auszeit nur für mich alleine vor, die ich dann ganz bewusst erlebe: ein Cappuccino in meinem Ohrensessel, eine Gesichtsmaske und manchmal auch ein Telefonat mit meiner besten Freundin. Es gibt unendlich viele solcher Alltagsmomente, die wir genießen dürfen. Backen zählt mir allerdings nicht dazu. Das überlasse ich meiner Mutter. 😉
Die täglichen Impulse regen dazu an, achtsamer zu leben. Wendest du diese Ideen auch selbst in deinem Alltag an?
Ein klares „Ja!“. Allerdings ist es wie bei anderen auch, dass ich mich manchmal gegen den Alltags-Tsunami wehren muss. Es gibt einfach Zeiten, die uns so unfassbar viel abverlangen und da kann es schon passieren, dass ich mir einige Tage viel zu viel abverlange. Es ist ein Lernprozess, achtsam mit sich umzugehen. Und ich finde, es ist entlastend zu wissen, dass es solche Ausnahmesituationen auch geben darf. Wichtig ist dann jedoch, danach wieder zur Ruhe zu kommen.
Hast du ein persönliches Lieblingstürchen im Buch? Eines, das dir besonders am Herzen liegt?
Ich liebe tatsächlich jedes Türchen. Wenn ich Lesungen halte, dann schmunzle ich häufig über das 4.te Türchen, in welchem es sich in der Geschichte der Frau um die Barabarazweige und um kulturelle Bräuche rund um das Glück handelt. Herzerwärmend finde ich den „Gedanke für dein Herz!“ zum Schluss des Türchens, dass Glück die leise Stimme abends ist, die uns leise ins Ohr flüstert „Heute war ein schöner Tag!“.
Die Illustrationen sind wunderschön und passen perfekt zu den Texten. Wie wichtig war dir die visuelle Gestaltung?
Der Knesebeck-Verlag steht ja für die ganz besondere visuelle Gestaltung von Büchern. Nicole Pfeiffer – die Illustratorin – hat den Gedanken und das Anliegen so großartig getroffen. Sie begleitet seit Beginn an alle meiner Bücher, die bei Knesebeck erschienen sind. Und ganz klar: ohne sie wäre das Buch nicht das, was es ist. Ihre Kunst macht das
Buch zum wahrhaftigen Schatz.
Wie möchtest du, dass Leserinnen und Leser „Dein Advent“ erleben – als tägliche Begleitung oder eher zum Blättern und Inspirieren lassen?
Beides. Die Leserinnen dürfen sich ganz im Sine eines Adventskalenders täglich von einem wunderschönen Kapitel begleiten lassen…. Und können dann das ganze Jahr über darin blättern und sich von den unzähligen Impulsen inspirieren lassen. Viele haben mir mitgeteilt, dass der ganz besondere Charme des Buches im „sich überraschen lassen“ liegt. Sie freuen sich ‚diebisch‘ auf die 24 Tage mit all den unzähligen Glücksmomenten.
Wie sieht deine eigene Vorweihnachtszeit aus? Bist du Team „Kekse und Kerzenschein“ oder eher „Schnee und Spaziergänge“?
Ich gehöre einem weiteren Team an, dem „Team Kerzenschein, Schnee & Natur“ – denn ich liebe die Zeiten draußen im Schnee (und in meiner Heimat gibt es den tatsächlich noch) mit meinem Hund und dann zuhause eine Tasse Tee mit Kerzenschein. Kekse gibt es da eigentlich nur selten und auch nur, wenn meine Mutter sie gebacken hat. Spannend: schon als Kind habe ich nicht gerne gebacken, weil der Teig immer unter meinen Händen weggeflossen ist, weil ich immer warme – heiße – Hände habe. 😊
Gibt es ein Ritual oder eine kleine Tradition, die für dich den Advent perfekt macht?
Ich gestalte bereits Ende November ein Auszeit-Ecke – eine Wohlfühloase. Dazu gehört mein Ohrensessel auf dem immer meine Kuscheldecke bereit liegt, ein kleines Tischlein mit Kerze. Jeden Morgen genieße ich den ersten Cappuccino des Tages in diesem Sessel. Dieses Jahr wird das Adventsbuch dabei liegen und ich werde in den Tag mit der Geschichte starten. Doch kein Ritual der Welt kann den Advent perfekt machen, er darf PERFEKT unperfekt sein.
Was möchtest du den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben, wenn sie dein Buch aufschlagen?
Verweilt in den schönen Momenten des Buches und genießt jeden einzelnen Tag. Verzaubert euch selbst und schenkt euch einen perfekt-unperfekten Advent, so dass ihr an Weihnachten lächelnd zurückschauen könnt und euch in Gedanken sagen hört: Was für wunderschöne 24 Tage!
Wenn du den Advent in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Selbstliebe – wenige, aber schöne Termine – Ruhe & Kerzenlicht … Das sind zwar mehr Worte, aber sie gehören zusammen… 😊
Und zum Schluss: Können wir uns vielleicht auf ein ähnliches Buch freuen – zum Beispiel „Dein Frühling“ oder „Dein Jahr“?
Ich kann die Kuscheldecke auf meinem Ohrensessel so weit schon mal lüften, dass die Leserinnen sehen können, dass es da ein neues Buchvorhaben gibt. Um was es sich jedoch handelt, darüber darf ich noch nicht sprechen… aber eines ist sicher: es wird wieder ein Buch, dass zum „Selbstverzaubern“ einladen wird….
Danke, liebe Anne-Sophie für deine Fragen! Hab‘ selbst auch einen schönen Advent! Und freilich alles Leserinnen deines Blockes auch… und schreibt mir gerne dann, wie ihr euren Advent erlebt habt… ich freue mich auf eure Impulse und Rückmeldungen.
Auch ich bedanke mich bei dir liebe Tanja für dieses tolle Interview und wünschen allen eine besinnliche Weihnacht!